11.05.2009 | 19:29 Uhr | kn | Karen Jahn
Songwriter The Late Call im Prinz Willy
Kiel - „Headaches and Heartaches“, Kopf- und Herzschmerzen seien seine Einflüsse. So ist es auf dem MySpace-Auftritt von Johannes Mayer zu lesen. Musikalisch
umtriebig ist er unter dem Namen The Late Call. Allseits bekannt ist, was vor allem letzteres Symptom an kreativem Output initiieren kann, und auch der Singer/Songwriter brachte seine musikalischen
Verarbeitungen dem Publikum im gut besuchten Prinz Willy sanft zu Gehör.
Leaving Notes lautet der Titel seines Debüt-Albums, das erst im vergangenen Monat auf dem Hamburger Plattenlabel Tapete das Licht der Welt erblickt hat. Elf Songs, die sich mit bittersüßer Melancholie auf das Spannungsfeld zwischen Abschied, Aufbruch und Ankommen einlassen. Eben ganz die Koordinaten, die die Gefühlswelt innerhalb einer langjährigen Fernbeziehung bestimmen, die der Wahl-Stockholmer und vom Bodensee Stammende selbst eine ganze Weile lebte. Sehr intim sind vielleicht deshalb seine Songs, persönliche Erfahrungen sind eingeflossen, hauchen den Liedern Authentizität ein.
Schmal wirkt der Sänger, wie er da allein auf der Bühne sitzt, die schneeweißen Halbschuhe blitzen unter der schwarzen Hose hervor. Versunken zupft er die Akkorde auf der akustischen Gitarre und schafft mit butterweicher Stimme, unterstützt vom Hall-Effekt, und wunderschönen Melodien eine Atmosphäre zwischen Gänsehaut, Melancholie und Träumerei. In diesen Liedern gibt es keine Lautstärke, kein Zupacken, alles fließt. Unbestrittener Schönklang, der über Strecken in den Bann ziehen mag, sich nach einer Weile allerdings auch mal in hübschem Gleichklang verläuft.
Seinen Background-Gesang hat Mayer selbst eingesungen und in der Konserve mitgebracht. Das Mehrspur-Gerät hält nebenbei noch die eine oder andere instrumentale Ergänzung der live gezupften Akkorde bereit, wie etwa zart getupfte Streicherarrangements. Das verleiht einigen Songs eine angenehme Fülle und ermöglicht einen abwechslungsreichen Klangteppich.
Der Songwriter, der als Teenie während seines Stimmbruchs auf der Gitarre seiner Oma anfing Songs zu schreiben, versinkt tief in seine Lieder. Taucht nur hin und wieder aus seinen Klangwelten auf, um mit holprigen Geografie-Kenntnissen zu glänzen, wenn nicht zu kokettieren: „Kiel liegt doch am Meer, oder?“ oder die Eventualität gemeinsamer Bekannter in einigen deutschen Städten mit dem Publikum abzugleichen. Letzteres hat er trotz erwähnter Längen bezaubert im Prinz Willy. Nach der Zugabe: noch lange brausender Applaus.
jah
URL: http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/kultur/?em_cnt=91161&em_loc=12
Der Gast ist König! Wir sind Prinz.
PRINZ WILLY
Im Künstlerviertel / Kiel
